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Nur schade, dass er den Bauch nicht wegließ
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Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition (Gebundene Ausgabe) Am Denkmal des Homo oeconomicus wird in den letzten Jahren so heftig herumgehämmert, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis die Statue fällt. Was dann an seiner Stelle stehen wird, ist zwar noch völlig offen, aber irgendeine Figur, die an unser Unbewusstes erinnert, wird es bestimmt sein. Abbruch und Neugestaltung gingen wahrscheinlich etwas schneller voran, wenn die Beteiligten etwas mehr auf ihre Wortwahl achten würden. Denn mit dem missglückten Titel erneut zu suggerieren, das Unbewusste sei irgendwo im Bauch angesiedelt, zementiert nur alle Irrtümer. Zu welchen Entschlüssen unsere neuronalen Netzwerke gelangen, spüren wir zwar auch im Bauch, aber die Entscheide fallen nun mal im Kopf.
Wie solche Entscheidungen getroffen werden und was dabei alles berücksichtigt wird, erklärt Gerd Gigerenzer in diesem Buch auf selten anschauliche Weise. Das gelingt ihm vor allem mit guten Geschichten und prägnanten Formulierungen. Und weil der Autor nicht irgendeiner ist, sondern das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin leitet, wird seine Botschaft auch Menschen erreichen, die aus reflexartigem Abwehrverhalten normalerweise weghören. Wie auch Linda Pelzmann aus Wien in ihrer Rezension ausdrücklich betont, geht es in Gigerenzers Buch nicht darum, die Vernunft gegen die Intuition auszuspielen. Vielmehr ist es das Anliegen des Autors, die Stärken und Anwendungsbereiche der beiden neuronalen Datenverarbeitungssysteme aufzuzeigen. Dass allein gibt schon genügend Diskussionsstoff für die nächsten Jahre und wird scheinbar unantastbare Glaubensmodelle erschüttern.
Mein Fazit: Der Autor versteht es ausgezeichnet, seiner eigenen Theorie gerecht zu werden und Komplexes so zu vereinfachen, dass es verstanden wird und seinen wahren Kern trotzdem behält. Wir erfahren zwar nicht so viel über die Vorgänge in unserem Gehirn, wie der Autor immer wieder verspricht, aber dafür gibt es ja inzwischen viele andere empfehlenswerte Bücher. Die Reduktion auf einleuchtende Geschichten, kurze Theorieblöcke und einprägsame Formeln ist genau der Stoff, aus dem unsere Intuition schließlich unser Verhalten beeinflusst.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 9. April 2007 |