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Nachdoppeln mit guten Geschichten
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Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Intuition: Die Weisheit der Gefühle (Gebundene Ausgabe) Traufetter oder Gigerenzer? Oder beide? Wer sich für den Themenkreis rund um das Unbewusste interessiert, sollte beide Autoren lesen. Bei diesem Tun wird er zwar auf Wiederholungen stossen, aber nicht auf Kopiertes. Daher überwiegt der Genuss, eine bekannte Geschichte aus einer anderen Optik erzählt zu bekommen. Denn Gerald Traufetter bezieht sein Wissen aus einem völlig anderen Bildungsrucksack als Gerd Gigerenzer. Hier der studierte Politik- und Kommunikationswissenschaftler, der als Journalist die Themen Klimawandel, Medizin und Hirnforschung zu seinen Schwerpunkten zählt - dort der habilitierte Psychologe und Direktor des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, der die verständliche Vermittlung universitärer Wissensschätze zu seinen Zielen erkoren hat.
Wie nicht anders zu erwarten, hat der Wissenschaftsredakteur beim Spiegel das Storytelling verinnerlicht. Er kann also Abstraktes und Kompliziertes so in eine Geschichte verpacken, dass sich der Leser auf den Inhalt freut und das Wesentliche oft ganz beiläufig erfährt. Schade finde ich nur, dass auch Gerald Traufetter schlecht mit der Freiheit umgehen kann, sich beim Schreiben eines Buches nicht auf eine vorgegebene Zeilenzahl beschränken zu müssen. Was er seinen Lesern mitzuteilen hat, würde eigentlich weniger Raum beanspruchen. Und so kommt es unweigerlich zu Längen und Wiederholungen, auf die ich gerne verzichtet hätte.
Geordnet hat Gerald Traufetter seine Botschaften und Berichte in vier grosse Kapitel. In "Intuition ' eine Kraft wird neu entdeckt" geht es um das Grundlegende, also um die Erkenntnis, dass der Homo oeconomicus eine Totgeburt ist und die Vernunft noch immer masslos überschätzt wird. Im zweiten Kapitel "Die Anatomie der Intuition" erfährt der Leser, wieso Gefühle als die Quellen der Intuition bezeichnet werden, was heute als Instrumentarium dieses Entscheidungszentrums gilt und was der Autor unter gefühltem Wissen versteht. Im nächsten Kapitel "Die Intuition im Einsatz" steht die Praxis im Vordergrund. Da werden Beispiele aus dem sozialen Zusammenleben, aus der Welt des Konsums, der Arbeit und der Kreativität vorgeführt. Und zum Abschluss geht Traufetter in "Die Intuition im Training" der Frage nach, ob und wie sich das so genannte Bauchgefühl steigern lässt.
Mein Fazit: Zu Beginn der Lektüre etwas skeptisch, ob dem Autor ein eigenständiges Buch zu diesem Thema gelingt, kam ich schon bald zur Meinung, dass ihm dies geglückt ist. Das liegt vor allem daran, dass er Geschichten erzählt, neue Beispiele bringt und das vorhandene Wissen in eine neue Ordnung bringt. Erstaunlicherweise ist es jedoch Gigerenzer besser gelungen, Wesentliches in prägnante Sätze zu giessen und auch formal von Nebenschauplätzen abzuheben. Aber deshalb Traufetters Werk eine andere Bewertung als dem von Gigerenzer zu geben, wäre ungerecht.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. Oktober 2007 |